Warum LaTeX? Ein Vergleich mit LibreOffice.

Gestern bin ich mal wieder gefragt worden, welchen Vorteil LaTeX brächte. Und ich hab dann mal wieder den Fehler begangen, auf technischen Details herumzureiten. Diesen Fehler will ich nun etwas ausbügeln. Ich will Bilder sprechen lassen. Dafür habe ich einen Text genommen und ihn einmal mit LaTeX gesetzt und einmal mit LibreOffice (ich habe keinen Windows-Rechner und daher nur schwer Zugang zu Word).

Zunächst ein paar Details zu den Einstellungen: ich habe eine Mischung der Voreinstellungen von LibreOffice Writer (LO) und der LaTeX-Dokumentenklasse scrartcl (LX) verwendet:

  • einen Rand von 2cm auf allen Seiten (LO); ich weiß, der Seitenspiegel sieht grausam aus, aber für das Beispiel ist das fast irrelevant.
  • Schriftgröße 11pt (LX); in Kombination mit dem ungünstig gewählten Rand gibt das etwa 100 Zeichen pro Zeile – viel zu viele. Aber wie gesagt: es ist fast irrelevant.
  • Schrift Linux Libertine O – einfach, weil sie mir gefällt
  • Absatzeinzug 1em/11pt (LX); bei LibreOffice musste das erst eingestellt werden.
  • Durchschuss 1.6 Punkt (nur LibreOffice – die Zeilen waren sonst viel zu eng. LaTeX macht das von sich aus ganz gut).
  • automatische Silbentrennung und Blocksatz (nur LibreOffice – ohne automatische Trennung sieht der Text aus wie Schweizer Käse – unten gibt’s noch eine Bemerkung dazu).
  • Unterschneidung/Kerning – war bei LibreOffice voreingestellt, eine positive Überraschung. Dass LaTeX das macht, wusste ich schon.
  • Ligaturen – LaTeX kann das von Haus aus, bei LibreOffice musste ich sie über Suchen & Ersetzen manuell einfügen – sehr mühsam. Gemacht habe ich das für fi, ffi und Th, dann hatte ich keine Lust mehr.

Jetzt sehen die Texte fast gleich aus – fast. Es gibt eine Bildergalerie (auf die Fotos klicken), die Ihnen verschiedene Absätze im Vergleich zeigt, damit Sie selbst entscheiden können, welches Ergebnis Ihnen besser gefällt.

Schauen wir uns ein paar Details genauer an: den ersten Absatz des Textes (Fotos 3 und 4). Fallen Ihnen die Unterschiede auf? Anzahl der Zeilen, nötige Trennungen, … Noch deutlicher werden die Unterschiede beim dritten Absatz (Fotos 5 und 6). Achten Sie insbesondere auch auf sein Ende und den Beginn des folgenden Absatzes.

Inzwischen werden Sie wohl wissen, dass Text A mit LibreOffice erstellt wurde und Text B mit LaTeX. Meiner Meinung nach reicht schon der flatterige Rand durch die massenhaften Trennungen aus, um sich gegen LibreOffice zu entscheiden. Stellt man die automatische Trennung aus, dann erledigt sich das Problem mit dem Rand zwar einigermaßen, dafür sind jetzt die Zwischenwortabstände so groß, dass der Text selbst völlig löchrig wirkt (letztes Foto).

Ich finde es auch nicht gerade Anwenderfreundlich, dass man Absatzeinzug, Durchschuss usw. erst einmal einstellen muss. Unpassende Werte anpassen zu müssen kann ja vorkommen, dass beide in der Voreinstellung 0cm betragen finde ich eine schlechte Entscheidung. Noch viel mehr stört mich, dass ich die Einheit em, also eine Einheit, die in Abhängigkeit von der Schriftgröße funktioniert und eine absolute typographische Grundeinheit und meiner Meinung nach eine schiere Notwendigkeit ist, nicht verwenden konnte. Auch mühsam: manuelles Einfügen von Ligaturen. Und selbst nach all diesen Einstellungen sind die Absätze länger und es sind deutlich mehr Trennungen nötig, um einen halbwegs ausgeglichenen Absatz zu bekommen.

Wem typographische Qualität seiner Dokumente am Herzen liegt, versteht jetzt vielleicht, wieso ich LaTeX verwende. Wer noch gerne mehr Beispiele typographischer Natur hätte, dem sei Dario Taraborellis The Beauty of LaTeX ans Herz gelegt. Wer die PDF-Dateien selbst vergleichen möchte, kann sie unten herunterladen. Für die LaTeX Interessierten: das Dokument wurde mit LuaLaTeX übersetzt und (das war vielleicht ein bisschen ungerecht) hat die Pakete microtype und selnolig verwendet.

Die originalen PDF-Dateien zum eigenen Vergleich finden sich hier zum Download: text-A.pdf und text-B.pdf

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