Trennungsschmerz

Foto: Lars Kulesch/pixelio.de

Früher oder später stößt man als Anwender von LaTeX darauf, das Wörter falsch oder nicht getrennt werden. Die Ursachen können verschiedene Ursachen haben. Zum einen werden grundsätzlich erst einmal englische (amerikanisch-englische, wenn ich es richtig weiß) Trennungsmuster geladen. Das heißt, in ein deutschsprachiges Dokument gehört schon einmal grundsätzlich

\usepackage[ngerman]{babel}

damit auch die deutschen Trennmuster verwendet werden. Damit werden falsche Trennungen sehr rar, auch wenn sie natürlich immer noch nicht völlig auszuschließen sind. Daran gewöhnt stoßen vor allem eher neuere LaTeX-Anwender irgendwann darauf, dass Wörter mit Bindestrichen nicht getrennt werden – oder richtiger: nur an den Bindestrichen. Unter anderem deshalb stellt das schon erwähnte babel-Paket eine ganze Reihe sogenannter Shorthands bereit. Das Wort Lotto-Annahmestelle etwa wird so nur nach Lotto getrennt. Schreibt man mit babel Lotto"=Annahmestelle dann kann auch vor und nach dem Bindestrich getrennt werden. Es ist wenig verwunderlich, dass es schon eine Handvoll Fragen zu dem Thema auf der TeXwelt gibt.

Grundsätzlich sind Trennungen natürlich möglichst auf ein Minimum zu beschränken. Die Gründe dafür sind meines Erachtens zwei:

  • Zum einen sind getrennte Wörter immer schlechter zu lesen als ungetrennte. Das ist relativ klar: ist ein Wort getrennt, dann muss man zum Beginn der nächsten Zeile springen, um zu sehen, wie das Wort weitergeht. Man kann es also nicht auf einmal erfassen. Mein persönlicher Eindruck ist, dass in längeren Wörtern eine Trennung gegen Ende des Wortes weniger Schwierigkeiten bereitet als zu Beginn. Ist das Wort „Ver­kehrs­information“ etwa als Ver­kehrs­informa-tion getrennt, dann hat man es schon fast komplett gelesen, aus dem Kontext weiß man dann vielleicht auch, ob Singular, Plural oder irgendwelche Kasusendungen vorliegen. Ist es als Ver­-kehrs­information getrennt, dann ist der Sprung zu nächsten Zeile unvermeidlich, um das Wort zu erfassen.
  • Der zweite Grund liegt im Blocksatz: Trennstriche verfransen einen geraden Rand. Darum versucht man, Trennungen möglichst zu vermeiden oder wenigstens auf ein Minimum zu beschränken.

Um den zweiten Punkt zu steuern kennt TeX z.B. \hyphenpenalty, womit eingestellt werden kann, wie gerne TeX an einer automatisch eingefügten Trennstelle umbrechen darf. Verwandt damit ist \doublehyphendemerits, ein Wert, mit dem gesteuert werden kann, als wie gut aufeinander folgende Zeilen, die auf einen Trennstrich enden, betrachtet werden dürfen. Ähnlich dazu \finalhyphendemerits, wenn die vorletzte Zeile eines Absatzes mit einem Trennstrich endet. Wie die Werte anzupassen sind und wie sie technisch wirken, will ich hier jetzt nicht weiter ausführen. Beschrieben sind sie und weitere u.a. hier: What are penalties and which ones are defined?

Lädt man \usepackage{microtype} dann sind in der Regel so oder so nur noch wenige Trennstellen übrig, so dass man sich um die eben erwähnten Penalties und Demerits eigentlich nur seltenst noch Gedanken machen muss.

Da Trennungen im Blocksatz nur sehr schwer vollständig vermieden werden können, kann sich die Frage von oben (die der Anlass für diesen Beitrag war) wieder stellen: wie und wo erlaube ich Trennungen in Wörtern mit Bindestrichen? Georg Verweyen beschreibt auf seiner Homepage einige Regeln und Tipps, auch zur Verwendung der babel-Shorthands. Der Beitrag ist sehr empfehlens- und lesenswert und gibt auch eine Reihe von Beispielen für die verschiedenen Fälle. Völlig zustimmen kann ich ihm allerdings nicht. Er schreibt unter anderem:

Ein Zeilenumbruch in unmittelbarer Nähe des Bindestrichs wirkt irritierend.

Diese Behauptung steht erst einmal unbegründet da. Ich habe überlegt und getestet, ob mir das ebenso geht und komme zu dem Schluss: nein, ich kann eigentlich keine Irritationen feststellen. Jedenfalls keine, die über das Problem, das bei getrennten Wörtern grundsätzlich besteht, hinausgehen. Sein Beispiel Petro\-silius-Zwackel\-mann-Straße, bei dem er mit \- explizit einzelne weitere Umbruchstellen erlaubt, würde ich persönlich daher als Petrosilius"=Zwackelmann"=Straße schreiben. Nun frage ich mich allerdings, ob es denn nicht für die eine oder andere Fassung Gründe gibt, die überzeugender als ein dahingestelltes „wirkt irritierend“ sind. Falls da jemand Argumente und im Idealfall Quellen und Literatur kennt, würde ich mich über diesbezügliche Kommentare und Links freuen.

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