Schneller! Noch schneller!

Ich fahre gerne Auto. Meistens. Und dennoch ärgere ich mich bei fast jeder Autofahrt. Ich, der ich sonst immer so gelassen und geduldig bin. Daran sollte ich arbeiten, schließlich habe ich nichts davon. Und doch: ich stelle bei nahezu jeder Autofahrt zwei Eigenschaften meiner Verkehrsteilnehmer, die mir beide unsympathisch sind. Und die meine Gelassenheit immer und immer wieder und immer mehr strapazieren. Bin ich wohl doch ein grumpy (old?) man.

Foto: bagal / pixelio.de

Ungeduld. Schnell noch bei dunkelgelb oder hellrot über die Ampel. Siebzig Stundenkilometer? Aus Prinzip nicht. In der Tiefgarage quer über die Parkplätze zur Ausfahrt. Abstand zur Vorderfrau? Eine Wagenlänge reicht. Wenn mir letzteres passiert, dann betreibe ich übrigens immer „Fahren nach Vorschrift“ und halte mich peinlich genau an alle Geschwindigkeitsbeschränkungen, fahre extra vorsichtig usw. Nicht, dass das den Hintermann irgendwie beeindrucken würde, aber zum einen kommt mir das für mich sicherer vor und zum anderen bereitet es mir doch eine diebische Freude. Der vorne ist nicht schnell genug? Dafür ist doch die Hupe da…

Egoismus. Blinken, wenn ich die Spur wechseln will, an der Kreuzung abbiegen oder aus dem Kreisverkehr heraus? Ich weiß doch, wohin ich will! In der Spur bleiben? Ich sehe doch, wenn Gegenverkehr kommt. Sauber einparken? Mir reichen zwei Parkplätze in der Regel aus. Abblenden? Aber ich sehe im dunkeln doch so schlecht.

Im Grunde wäre mir das alles ja egal. Und statt Egoismus und Ungeduld ist es wohl oft einfach Gedankenlosigkeit und die Routine, die sich einstellt, wenn man die gleiche Strecke zum zehntausendsten Mal befährt. Meine Gedanken sind beim Autofahren auch oft woanders, was allerdings eher dazu führt, dass ich beim Hineinfahren in den Kreisverkehr den Blinker setze, aber… Und dann bin ich ja auch noch der millionste, der sich über solches Verhalten ärgert… Was ich mich allerdings frage – es ist ja doch ein ganz erklecklicher Teil der Verkehrsteilnehmer; ich zähle zum Spaß an Kreuzungen gerne den Anteil derer, die den Blinker nicht gesetzt haben – verhalten die sich auch so, wenn sie aus dem Auto ausgestiegen sind? Und warum sollten sie nicht? Wenn einem Rücksicht und Sicherheit der Mitmenschen wichtig sind, legt man das doch nicht einfach ab, wenn man sich hinters Steuer setzt. Oder etwa doch? Wenn man ein geduldiger, ausgeglichener Mensch ist, dann ist man das doch auch beim Lenken eines Fahrzeugs. Oder etwa nicht?

Ich da wirklich nicht sicher – Geduld ist eine meiner Stärken und doch merke ich zunehmend und womöglich parallel zu meinem Ärger über meine Mitverkehrsteilnehmer wachsend, wie ich beim Autofahren ungeduldig werde. Zurück zum Anfang also – wenn ich mich weniger über das Verhalten anderer ärgere, zumal in einem Moment in dem ich daran sowieso nichts ändern kann, desto geduldiger werde ich hoffentlich wieder hinter dem Steuer. Und mein eigenes Verhalten – das ist doch das, das ich am ehesten beeinflussen kann, nicht?

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