Musik und Texte

Ich mache mir ja nicht wirklich was daraus, warum mir Texte bei Musik eher unwichtig bis störend sind. Dennoch denke ich manchmal darüber nach und auch darüber, wie sich meine Einstellung mit der Zeit geändert hat und was gleich geblieben ist.

Solange ich zurückdenken kann, hat mir Musik sehr gefallen und ich habe viel Musik gehört. Als kleines Kind eher klassische Musik, später unter Einfluss von älteren Geschwistern und Radio (seltsamerweise weniger durch andere Freunde) kam Rock- und Popmusik dazu, schon von Anfang an mit einem Schwerpunkt auf Musik der späten 60er und frühen 70er. Bestimmt beeinflusst davon, dass ich selber Gitarre spiele und spielte hatte es mir besonders gitarrenlastige Musik angetan. Schon bevor ich mit Jazz in Berührung kam auch da besonders Blues und Rhythm’n’Blues (nicht mit dem zu verwechseln, was man heute R’n’B nennt). Was nie dabei war, war Musik mit deutschsprachigen Texten, mit Ausnahme von BAP vielleicht (Kölsch ist aber nicht gleich Deutsch, jedenfalls nicht für schwäbische Ohren) und ein paar Songs der Toten Hosen und der Ärzte.

Ich habe lange nicht in Frage gestellt, dass ich deutschsprachige Musik nicht mochte, mich nicht einmal darüber gewundert. Bis mir jemand direkt die Frage gestellt hat. Mir ist dann klar geworden, dass es nicht an der Musik selbst lag (und noch immer nicht liegt), sondern vielmehr daran, dass ich die Texte ohne viel nachzudenken verstehe. Das hat die Konsequenz, dass ich den Texten zuhöre – was bei der deutlichen Mehrzahl aller Texte diesen aber zu viel Aufmerksamkeit schenkt. Die allermeisten Songtexte haben nicht verdient, dass man ihnen zuhört. Sie sind oberflächlich, belanglos, erkenntnislos, langweilig. Und das sind noch die besseren Fälle. Englischsprachige Texte (und vermutlich auch die in den Sprachen, die ich nicht verstehe) sind nicht besser, aber es fällt mir wesentlich leichter, sie zu ignorieren. Was dann bleibt, ist die Musik selbst.

Soweit keine große Erkenntnis (was mir ja noch egal wäre) – auch keine Selbsterkenntnis. Denn obige Feststellung habe ich nun doch auch schon vor vielen Jahren gemacht. Vor kurzem aber habe ich das in Bezug mit der Tatsache gestellt, dass ich selbst seit ca. 10, 12 Jahren keine eigenen Songs mehr schreibe. Ich glaube, es liegt daran, dass ich nichts textliches mehr zu sagen habe. Nicht dass das, was ich in meinen Songs gesagt habe, weltbewegend wäre – das ist es natürlich nicht. Das sind Songs nie. Aber wenn ich nicht mal mehr mich-bewegendes zu sagen habe, zumindest nichts, dass mich so wenig loslässt, dass ich es in ein Lied packen müsste, dann bleibt das Songschreiben eben aus. Und wie oben festgestellt: ohne Text bleibt die Musik. Nun scheint es aber leider so zu sein, dass ich musikalisch viel weniger zu sagen habe, als ich es textlich je hatte. Also gibt es eben keine neuen Songs von mir.

Musik mit Text, auf den ich nicht achten muss, und Musik ohne Text – sprich: die Musik alleine – hat einen seltsamen Einfluss auf mich. Eine Melodie oder eine bestimmte Interpretation kann mich auf einer emotionalen Ebene fassen wie nichts anderes. Ich nehme an, dass andere Menschen ähnliches kennen, wenn nicht mit Musik dann mit Poesie oder bildender Kunst oder… Ich weiß nicht, ob diese Berührung irgendwo untersucht wurde, psychologisch, philosophisch oder irgendwie sonst, es ist mir auch egal. Vielleicht sollte es mir nicht egal sein: wer weiß, was ich sonst über mich noch lernen könnte. Verlieren würde ich dadurch bestimmt nichts. Egal wie weit ich Musik theoretisch auseinander genommen und wieder zusammengesetzt habe, daran, wie mir manche Melodien einen Schauer über den Rücken jagen, wie mich andere in gute Laune versetzen, daran hat sich nie etwas geändert. Dass Musik für mich diese Rolle spielt (unabhängig von irgendwelchen dazu gesungenen Texten), habe ich für mich gerne akzeptiert.

Mir scheint aber, dass Texte, deren Inhalt ich nicht total dämlich finde, oder bei denen die Formulierung selbst soviel Spaß macht, dass der Inhalt wieder egal ist (wie etwa die schönen Lieder von Element of Crime), in der Tat in der Lage sein könnten, Lieder, die mich nicht schon alleine durch die Musik zu packen, so aufzuwerten, dass ich sie gerne hörte. Ich bin mir dessen aber nicht völlig sicher: so sehr ich darüber nachdenke, will mir kein Song einfallen, den ich wegen seines Textes mag, nicht aber wegen der Musik. Was ich sicher weiß ist hingegen, dass ein schlechter Text gute Musik so zu verderben mag, dass ich ein Lied nicht mehr gut hören kann, dessen Musik ich eigentlich mag, wenn ich den Text nicht ab kann. Selbst musikalisch guter Rechtsrock (so es ihn denn gibt) würde es daher nie schaffen, von mir gemocht zu werden. Das heißt aber nicht zwangsläufig, dass ich es nie wieder schaffen würde, die Melodie wieder vom Text zu trennen und dadurch wieder zu schätzen lernen: ich habe es noch nicht ausgetestet.

Für mich sind Liedtexte problematisch: sie geben einem Stück Musik einen Sinn und Inhalt, den die Musik ohne sie nicht hat. Wie ich oben schon angedeutet habe, ist für mich Musik an sich genug. Die gefühlsmäßigen Interpretationen meines Körpers und Unterbewusstseins habe ich noch nie versucht in Worte zu fassen. Das ist glatt gelogen: ich habe es durchaus immer wieder versucht, es ist mir nur nie gelungen. Mir ist auch noch keine Beschreibung von irgendjemand anderes untergekommen, die das geschafft hätte. Der Text und die Melodie: zwei für mich getrennte Einheiten, die auch nirgends so miteinander verwoben wären, dass ich sie nicht getrennt von einander betrachten könnte. Es scheint keinen Text zu geben, der eine bestimmte Melodie haben muss und es scheint auch keine Melodie zu geben, zu der ein bestimmter Text gehören müsste. Zwar scheinen manche Texte eine Art musikalischer Stimmung vorzugeben, aber ob die zwingend ist, wage ich zu bezweifeln.

Quintessenz des ganzen nicht selten etwas zusammenhangslosen Gefasels: weiß ich auch nicht so genau. Ich lege jetzt erst einmal Krikelkrakel von Daniel Stelter auf. Und vielleicht denke ich noch ein wenig darüber nach…

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