Die Krux mit dem Absatzeinzug

Foto: Marvin Siefke/pixelio.de
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Ich habe kürzlich über Schwierigkeiten gesprochen, die LaTeX-Anfänger und -Anfängerinnen und Leute, die vornehmlich mit Textverarbeitungen wie LibreOffice arbeiten, mit Dingen wie Gleitobjekten haben. Einen anderen Punkt habe ich ausgelassen: den Absatzeinzug. Im Gegensatz zu den meisten LaTeX-Klassen (den Dokumenttypen, die man zur Auswahl hat), haben diese Textverarbeitungen in der Voreinstellung keinen Absatzeinzug und keinen Absatzabstand. Eine denkbar schlechte Voreinstellung! Wenn man sich aufs Geratewohl zehn Bücher verschiedener Verlage und verschiedener inhaltlicher Ausrichtung aus dem Regal zieht, findet man bei der Mehrzahl der Bücher einen Absatzeinzug, die anderen haben wenigstens einen Absatzabstand. Wenn man Werke über Typographie liest, findet man in der Regel eine Empfehlung für Absatzeinzüge. Die Argumente sind wohl bekannt und leicht nachzulesen (einen ersten Einblick gewährt Wikipedia), weshalb ich sie hier nicht wiederhole.

Anwender und Anwenderinnen, die von Word oder LibreOffice kommen, haben sich zum einen oft angewöhnt, Absätze nicht als solche logisch zu markieren (obwohl einem die genannten Programme dafür eigentlich die Möglichkeit bieten würden) und zum anderen, neue Absätze durch Trennung von einer Leerzeile zum vorhergehenden zu trennen, also quasi einen Absatzabstand zu verwenden. Durch diese weitverbreitete Praxis scheint bei vielen Leuten eine Art Gewöhnung daran eingetreten zu sein, zusammen mit der Meinung, dass das die normale Praxis ist. Ist sie nicht! Haben sie eben ihr Bücherregal überprüft? Wenn nicht, holen sie es nach! Es gibt Gründe, warum selbstgestaltete Worddokumente genau danach aussehen: nach selbstgestalteten Worddokumenten und eben nicht wie ein professionell gesetztes Dokument. Der fehlende Absatzeinzug ist einer davon.

Es gibt durchaus Dokumente, bei denen man eine Absatztrennung durch einen vertikalen Abstand rechtfertigen kann. (Ob der tatsächlich die Größe eines Zeilenabstands haben muss, ist eine andere Frage.) Robert Bringhurst schreibt dazu in The Elements of Typographic Style:

Block paragraphs open flush left and are separated vertically from their neighbors by extra lead, usually a white line. Block paragraphs are common in business letters and memos, and because they suggest precision, crispness and speed, they can be useful in short documents of other kinds. In longer sequences they may seem soulless and uninviting.

Wir sollten zwar nicht vergessen, dass es noch andere Möglichkeiten gibt, aber wenn man sich nicht völlig sicher ist, sie zu verwenden, kann man (nicht nur) meiner Meinung nach am wenigsten falsch machen, wenn man einen Absatzeinzug von einem Geviert verwendet (und auf Absatzabstände verzichtet). Nochmal Bringhurst:

All […] variants […] have their uses, but the plainest, most unmistakable yet unobtrusive way of marking paragraphs is the simple indent: a white square.

Wenn Sie angefangen haben, mit LaTeX zu arbeiten, dann verwenden sie einfach eine KOMA-Script-Klasse mit der Voreinstellung (sie beträgt ein Geviert der Grundschriftgröße). Wenn Sie weiterhin mit Word oder LibreOffice arbeiten wollen oder müssen: machen Sie Sich mit Absatzeinzügen vertraut: ihre Dokumente werden gewinnen.

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