Allerlei Einerlei

Every day’s an endless stream of cigarettes and magazines.“ singt Paul Simon in Homeward Bound. Das öde Einerlei eines Musikers auf Tour, der sich wünscht, bald wieder heimzukehren. Auch mein Alltag fühlt sich oft so an: jeden Tag, jede Woche, jeden Monat die Routine, die öde Wiederholung des ewig gleichen. Nur in Details unterscheidet sich ein Montag vom anderen – das Wetter etwa, oder was es zu Mittag gab. Diesen Montag ist das Mittagessen ausgefallen. Was für eine Abwechslung. „Each town looks the same to me, the movies and the factories.

Das Einerlei ist nicht an sich schlecht. In der nur unmerklich sich ändernden Routine steckt auch eine gute Portion Stabilität, eine Ruhe und Sicherheit. Verlässlichkeit. Es gibt keine Überraschungen. Keine jedenfalls, die für spürbare Irritationen sorgen würden. Wenn ich heute, spätestens morgen nicht einkaufen gehe, habe ich in zwei Tagen keinen Kaffee mehr zum Frühstück. Das wäre eine Irritation! Eine Anti-Oase in der Ödnis des Schon-wieder-ein-neuer-Tag. „Tonight I’ll sing my songs again, I’ll play the game and pretend.

Foto: M.E./pixelio.de

Die depressiven Töne, die aus diesen Worten klingen, erwecken einen falschen Eindruck. Im Grunde mag ich meinen öden Alltag. Es reicht ein Sonnenstrahl auf meiner Haut, ein grün knospender Baum, ein Stückchen blauer Himmel, und ich bin wieder versöhnt mit dem Einerlei. „Home where my thought’s escaping, home where my music’s playing, home where my love lies waiting.“ Eine liebende Umarmung, ein Kuss, und der Alltag ist vergessen. Und nicht zu vergessen das Musizieren. Eingetaucht mit der Gitarre in das Zusammenspiel mit den Musikern meiner Band, nur im Augenblick – das ist so unvergleichlich wie ein intimer Moment zu zweit, wenn die Welt ganz weit weg ist und nur das Hier und Jetzt von Bedeutung ist.

But all my words come back to me in shades of mediocrity, like emptiness in harmony I need someone to comfort me.“ Es gibt allerdings Phasen, wenn diese Momente zu wenige sind, zu schnell vorbei, das Einerlei zu sehr zerrt. Dann wünschte ich, da wäre weniger. Weniger Einsamkeit. Weniger Nudeln mit Tomatensoße. Weniger Netflix. Dann wünschte ich, da wäre mehr. Mehr Leidenschaft. Mehr Kreativität. Mehr Ausbrechen aus der Ödnis. Mehr Risiko. Jetzt ist so eine Phase.

Es wird Zeit, dass der Frühling kommt!

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