LaTeX-Vorlagen

Wer sich mit LaTeX beschäftigt, stößt – eher früher als später – auf Dokumentenvorlagen. Gerade als Neuling und noch unerfahrene*r Nutzer*in macht man sich auch gezielt auf die Suche danach. Klar: LaTeX-Vorlagen sind nämlich sehr praktisch. Im Idealfall enthalten sie Code, der einem zeigen kann, wie man dieses oder jenes Problem in den Griff bekommt, wie man dieses oder jenes Layout umsetzen kann usw. Unter erfahrenen Nutzer*innen haben sie allerdings einen – sagen wir mal – umstrittenen Ruf. Der Grund: es gibt bei weitem mehr schlechte als gute Vorlagen. Die Ursachen dafür sind vielfältig:

  • Viele LaTeX-Vorlagen sind veraltet. Was vor fünf oder zehn Jahren Stand der Dinge war, ist heute veraltet, Pakete und Klassen überholt usw.
  • Oftmals sind Vorlagen nicht von erfahrenen Nutzern erstellt worden, sondern von Anfänger*innen oder Halb-Fortgeschrittenen. Soll heißen: schon bei ihrer Erstellung waren sie nicht wirklich empfehlenswert, sind es noch weniger, wenn sie außerdem in die Jahre gekommen sind.
  • Vorlagen werden unbesehen weitergegeben, getauscht, … und fangen so ein Eigenleben an. Fehlerhafter Code verbreitet sich weiter, wird für richtig gehalten, findet sich in neuen oder modifizierten Vorlagen wieder.
  • Es gibt für die Vorlagen (anders als bei offiziellen Paketen oder Klassen) keine*n Ansprechpartner*in, an den oder die man sich bei Bedarf wenden kann, wenn man Fehler findet.

In den letzten paar Jahren – so mein Eindruck – ist das Problem mit den LaTeX-Vorlagen häufiger geworden. In Foren und Frage/Antwort-Seiten sind sie regelmäßig Thema. So regelmäßig, dass Markus Kohm auf komascript.de das Thema aufgegriffen hat. Auch ich habe das Thema auf meinem englischen LaTeX-Blog schon mal exemplarisch aufgegriffen. Dort bin ich auf eine spezielle Vorlage eingegangen. Wer sich den Beitrag durchliest, wird feststellen. dass es sich um eine Vorlage der Webseite LaTeX Templates handelt, eine Seite, die unbescheiden mit The best source of free quality LaTeX templates wirbt, eine Aussage, die man durchaus bezweifeln darf, wie mein verlinkter Blogeintrag zeigt.

Besagte Webseite dürfte mit ein Grund für die Häufung der Probleme sein. Auch die bekannten Online-Compiler Overleaf und ShareLaTeX bieten Vorlagen an. Ich habe mir die zwar nicht explizit angesehen, bin aber auch dort schon (durch Zufall) auf oben geschilderte Probleme gestoßen: Befehle, die seit mehr als 20 Jahren (!) veraltet sind, und deren Verbreitung nicht abzunehmen scheint.

vorlageWas also tun, wenn man sich mit LaTeX noch nicht so auskennt und spezielle Probleme angehen möchte? Zunächst einmal sollte man nicht mit LaTeX anfangen, wenn man damit seine Abschlussarbeit schreiben möchte – zumindest sollte man sich es sehr gut überlegen. Jede*r, der/die schlau genug ist, ein Studium bis zur Abschlussarbeit durchzuziehen, kann auch lernen, mit LaTeX umzugehen – keine Frage! –, aber der Stress einer Abschlussarbeit ist dafür ziemlich sicher der falsche Zeitpunkt. LaTeX lernt man nicht mal so nebenher. Man braucht Zeit und muss bereit sein, diese zu investieren. Man sollte sich ein gutes LaTeX-Buch besorgen und darin schmökern (man kann ja hier in den Kommentaren nach Tipps fragen). Man sollte Anleitungen zu Paketen lesen. Und nicht zuletzt: man sollte sich Hilfe holen, zum Beispiel in oben schon verlinkten Hilfeseiten (und zum Beispiel diesen Beitrag auf der TeXwelt durchlesen).

Ein paar Grundregeln kann man schon mal einhalten: wenn man nicht weiß, wofür ein Paket geladen wird, dann versucht man zunächst, sich über das Paket zu informieren. Hat man das gemacht und weiß immer noch nicht, wofür man es lädt, dann raus aus der Präambel damit (und zwar, bevor man anfängt, seinen Text zu schreiben). Am besten, man fängt mit einem echt minimalen Dokument an, wie es Markus Kohm im verlinkten Artikel auch schon empfiehlt, und fügt sukzessive weitere Pakete erst dann hinzu, wenn man sie wirklich braucht. Ein Start könnte so aussehen:

% pdflatex-Vorlage:
\documentclass{scrartcl}
\usepackage[T1]{fontenc
} % anlesen, wofür das gut ist!
\usepackage[utf8]{inputenc}% anlesen, was Eingabekodierung ist,
% warum Unicode zu empfehlen ist, und wie man
% das im eigenen Editor einstellt

\usepackage[ngerman]{babel}% anlesen, wofür das gut ist!

% \usepackage{microtype} % anlesen, wofür das da ist

\begin{document}

\end{document
}

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